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Hosanna - Weltjugendtag im Bistum Fulda

„Wir brauchen keine Ja-Sager, sondern echte Originale“

Veranstaltungen

200 Jugendliche feiern Hosanna, den diözesanen Weltjugendtag, mit Bruder Paulus Terwitte und Weihbischof Karlheinz Diez

Fulda (bpf). Sonnig, froh und vereint im Glauben. Rund 200 Jugendliche von Bad Orb bis Wolfhagen, von Stadtallendorf bis Bad Hersfeld kamen am Palmsonntag zur Feier des diözesanen Weltjugendtages zusammen. Der Tag begann mit der klassischen Palmprozession von der Michaelskirche in den Fuldaer Dom, wo die Palmsonntagsliturgie mit musikalischer Begleitung durch den Jugendkathedralchor gefeiert wurde. Doch der strahlende Sonnenschein und die Jugendlichen mit ihren Flaggen aus verschiedenen Ländern zeigten das Besondere an. „Da wird der Weltjugendtag mit seinem weltkirchlichen Geist wieder wach“, fasste Weihbischof Karlheinz Diez sichtlich bewegt seine Eindrücke von der Prozession in seiner Predigt zusammen.

„Auch bei uns sind so viele unterschiedliche Hautfarben, Kulturen und Sprachen im Glauben verbunden“, stellte Diez fest. Als Zeichen dieser internationalen Verbundenheit trugen die Jugendlichen die Fürbitten in verschiedenen Sprachen vor. „Ihr fördert mit diesem Tag den Geist der Solidarität, den Jesus uns so tief vorgelebt hat“, unterstrich er in seiner Predigt, nachdem die Jugendlichen die Passion vorgelesen hatten. Überhaupt sei es mit Blick in die Karwoche unbegreiflich, was der Mensch Gott wert sei. „Da kommt Gott nicht in der Kraft von Pferdestärken und weltlicher Macht, sondern auf dem Tier des einfachen Volkes und zeigt seine göttliche Zuwendung für uns.“

Von dieser Zuwendung berichtete auch Bruder Paulus Terwitte auf der Bühne am Nachmittag in der Aula des Marianums, einer katholischen Schule in Fulda. Er zitiert Dag Hammarskjöld mit den Worten: „Du wagst ein Ja und bekommst einen Sinn“. Bruder Paulus ging damit auf das Motto des Tages „Ein JA verändert die Welt“ ein, das das Helferteam unter der Leitung von Andrea Koob aus dem Bischöflichen Jugendamt aus dem von Papst Franziskus für den Tag vorgegebenen marianischen Motiv formulierte. Die Tragweite von Gottes Wirken in der eigenen Biographie hat Bruder Paulus selbst erlebt. Er sagte „Nein“ zum Wunsch des Vaters, das Geschäft als Gemüsehändler zu übernehmen. Er folgte stattdessen einem inneren Ruf, der ihn schließlich ins Kloster führte.

„Ich wünsche euch: Werdet nicht irgendwelche Ja-Sager, sondern sagt Ja zu Gottes Projekt mit euch. Er hat es in euch grundgelegt. Macht es euch zu eigen und werdet echte Originale. Wer selbstbewusst ein Fundament in Jesus hat, kann die Welt verändern“, rief Terwitte den Jugendlichen zu. Er ermutigte sie, sich in Politik und Gesellschaft aktiv in Verbänden und Parteien zu engagieren. Nur so könne der Wunsch des Heiligen Papstes Johannes Pauls II. Wirklichkeit werden, der die Jugend als die Zukunft der Welt bezeichnete.

Der Kapuziner aus Frankfurt bewertete auch die Aktualität des Glaubens in der heutigen Gesellschaft positiv. Seiner Einschätzung nach gebe es zwei Trends, nach groß werden und nach Gemeinschaft. „Jeder macht Selfies und pustest sich mit jedem Like noch mehr auf. Zum zweiten will jeder vernetzt sein und überall entstehen digitale communities, vom Auto, dass man fährt, bis zur Kleidung, die man trägt“, so die Analyse Terwittes. Bei dieser vernebelten Sicht könne der Glaube entlasten: „Je mehr ich mich aufblase, desto tiefer falle ich. Und dann holt Gott mich aus dieser Tiefe und macht mich groß.“ Auch in punkto Gemeinschaft ist Bruder Paulus entspannt. Es gehe nicht darum, den eigenen Maßstab immer an andere anzulegen. Sich dem anderen öffnen und die Veränderung als Herausforderung annehmen, sei vielmehr das Gebot der Stunde. „Der Reiz der christlichen Gemeinschaft, auch in einem Kloster, liegt nicht darin, dass dort nur Menschen leben, die sich gegenseitig lieben, sondern dort leben Menschen, die alle Gott lieben.“ Diese Sicht auf Kirche und Gemeinde helfe, gerade in den aktuellen strukturellen Veränderungsprozessen von Kirche.

Mit dem diözesanen Weltjugendtag übergibt Jugendpfarrer Thomas Renze sein Amt an den seinen Nachfolger Alexander Best, der ab 1. Juni als Bistumsjugendpfarrer das Bischöfliche Jugendamt leitet. Renze ist seit Februar Leiter des Seelsorgeamtes im Bischöflichen Generalvikariat Fulda. Neben dieser symbolischen Übergabe wanderte auch das Jugendkreuz des Bistums an die nächste Jugendgruppe. Die Jugendlichen aus Eiterfeld nahmen schweren Herzens Abschied vom Kreuz. „Es gehörte irgendwann zu unseren Gebetsabenden und zu unserer Pfarrkirche dazu. Es stand immer im Altarraum und wird uns jetzt fehlen“, so ein Jugendlicher bewegt. Mit dem Segen des Weihbischofs geht es nun nach Ebersburg-Ried. „Wir freuen uns, dass wir das Kreuz bekommen haben. Wir wollen es am Karfreitag beim Kreuzweg tragen und zu einem Freilichtgottesdienst auf die Milseburg mitnehmen“, sagte Hanna Schmidt aus Ried.

Den Nachmittag nutzten viele junge Menschen für Begegnung, Kreativität und Sport. Drei Gruppen besuchten das Herz-Jesu-Krankenhaus, das Netzwerk Antonius und das Heilig-Geist-Seniorenzentrum. Celine Jahn aus Flieden äußert sich bewegt über den Besuch im Altenheim. „Es ist faszinierend, wie ich mit einem kleinen Palmsträußchen den alten Menschen so viel Freude machen konnte.“ Andere Jugendliche spielten Fußball, verzierten Osterkerzen oder gestalteten Osterkarten mit Sand. Zudem gab ein Stand mit einem großen Schlauchboot erste Informationen zur Fahrt nach Übersee zum nächsten großen Weltjugendtag nach Panama im Januar 2019. Weitere Stände informierten über Berufe der Kirche oder das ökumenische Projekt „All for one“ in Fulda.  Der Tag endete mit einem Gebetsabend, der, wie auch schon das Bühnenprogramm am Nachmittag, von der Band „six senses“ aus der Nähe von Würzburg musikalisch umrahmt wurde. Nach einer kurzen Katechese des neuen Jugendpfarrers Alexander Best gab es während der Anbetung die Möglichkeit zu Beichte und Gespräch.

Weitere Informationen zum nächsten großen Weltjugendtag in Panama unter: http://www.jugend-bistum-fulda.de

Text: Sebastian Pilz